Moorfrosch  (Rana arvalis Nilsson,1842)

(Syn.: Rana terrestris, R. oxyrrhinus, R. palustris)

EU-Code: 1214

Artspezifisch geeignete Kartiermethoden (Methodensteckbriefe)

1. Bestandserfassung (Ersterhebung)

1.1.1. Kartiermethode: Verhören, Sichtbeobachtung, Fangzaun
  • Verhören: Registrierung rufender adulter Individuen.
  • Sichtbeobachtung: Registrierung des gesamten Laichgeschehens, ggf. Auszählung der Männchen und Paare.
  • Fangzaun: Ermittlung der Aktivitätsdichten/Wanderverhalten, in Landlebensräumen ggf. mit Fangkreuzen. Erfassung mit Folien-Fangzaun, zur Anwanderrichtung hin konkav gewölbt mit einer Höhe von 50 cm oder mehr, alle 10 m ein ebenerdig und bündig an den Zaun eingegrabener Fangeimer. Bestimmung der gefangenen Tiere nach Art, Geschlecht. Die Fangzäune werden je nach Fragestellung der Untersuchung angeordnet. Umzäunung von Gewässern, Winterquartieren oder Probeflächen, linienhafte Zäune oder Fangkreuze.
1.1.2. Termine:
  • Sichtbeobachtung/Verhören: 3 kombinierte Begehungen im Zeitraum von Februar bis Anfang April. Bei unsicherer Situation und kleinem Bestand wird im Abstand von drei Tagen kontrolliert (von Bülow et al. 2011), ggf. ist bei ungünstiger Witterung dann ein 4. Termin erforderlich; Auszählen von Laichballen je nach Wetterlage an ein bis zwei Terminen im März oder Anfang April. Dabei Angabe des Maximalwertes und Angaben zur Habitatqualität / Beeinträchtigungen. Ggf. Auszählung von Larven, rufenden Männchen und Paaren: eine Zählung der Tiere ist nur an ganz wenigen Tagen in der Hauptlaichzeit möglich, da der Moorfrosch eine nur sehr kurze Laichphase hat, die auch noch sehr witterungsabhängig ist.
  • Fangzaun: sechswöchige Fangperiode ab Ende Februar nach der Laichzeit bzw. nach der Schneeschmelze bzw. Frostperiode. Nur bei Nachttemperaturen über dem Gefrierpunkt. Fangkreuz auch im Sommer/Spätsommer.
1.1.3. Günstige Tageszeit:
  • Sichtbeobachtung ganztägig möglich.
  • Verhören nach Einbruch der Dunkelheit bis 23:00/24:00 Uhr (danach nehmen die Aktivitäten der adulten Tiere ab), in günstigen Nächten kann sich die Aktivitätszeit verlängern.
  • Fangzaun: Die Kontrolle der Fangeimer erfolgt während der rund sechswöchigen Fangperiode täglich morgens ab Beginn der Dämmerung.
1.1.4. Günstige Witterungsbedingungen:
  • Begehungen an warmen Tagen bei feuchter Witterung.
  • Keine Erfassung in Frostnächten.
1.1.5. Auswertung der Bestandserfassung:
  • Abschätzung der Populationsgröße durch Zählung der Laichballen und der rufenden Männchen.
  • Auswertung je Eimer über den Fangzeitraum, ggf. Bildung von Zaunabschnitten.
  • Ermitteln von Bereichen hoher Wanderaktivität und solchen mit geringer oder fehlender Wanderaktivität auf Grundlage der verorteten Fangzahlen der gesamten Erhebungszeit.
  • Ermittlung von Überwinterung in Korridoren: Bei quer zur Wanderrichtung aufgestellten Fangzäunen kann aus der Differenz der Fangzahlen beider Zäune überschlägig der Anteil der zwischen den Zäunen überwinternden Tiere ermittelt werden.
  • Umzäunung von einzelnen Quartieren und Probeflächen: Absolute Zahlen können auf Gesamtfläche oder Anzahl der Ersatzlebensräume hochgerechnet werden. Lage zu den Laichgewässern ist zu beachten. Aussage, ob Ersatzquartier angenommen wurde und Anzahl überwinternder Tiere, zeitliche Veränderungen der abwandernden Tiere zwischen den Monitoringdurchgängen.
  • Von den Aktivitätsdichten können Bedeutung und Funktionen abgeleitet werden, Identifikation von Winterhabitate ist möglich, ebenso von Wanderrichtungen.
1.1.6. Hinweise:
  • Der Moorfrosch laicht sehr früh, nach Möglichkeit ist die Hauptlaichzeit in der Kartierung zu erfassen.
  • Die Hauptlaichzeit erstreckt sich beim Moorfrosch nur über 3–4 Tage.
  • Zur Zählung rufender Männchen können sowohl sonnige warme Tageszeiten als auch der frühe und noch relativ warme Abend nach einem sonnigen Tag genutzt werden.
  • Gute Bestandserfassungen erfolgen über das Auszählen der Laichballen. Die Methode ist der Auszählung von Rufern oder adulten Tieren deutlich überlegen.
  • Eine sichere Ansprache bzw. Unterscheidung der Braunfrösche und des Braunfroschlaiches muss vorausgesetzt werden.
  • Bei gleichzeitigem Vorkommen von Moor- und Grasfrosch sind die Laichballen nicht sicher zu unterscheiden. Daher ist es wichtig, die Größenordnung der rufenden Männchen beider Arten vorher festgestellt zu haben und ggf. zu lokalisieren, an welcher Stelle der Moorfrosch alleine ablaicht und an welchen anderen Stelle nur der Grasfrosch gerufen hat bzw. wo beide Arten kleinräumig zusammen vorkommen. Auf dieser Grundlage können die gefundenen Laichballen entsprechend zugeordnet werden.
  • Die Fangeimer an den Fangzäunen sind mit kleinen Löchern am Eimerboden zu versehen, damit Regenwasser ablaufen kann.
  • Die Kontrollen der Fangzäune müssen in den frühen Morgenstunden/der Dämmerung durchgeführt werden, damit die Tiere nach dem Umsetzen auf die andere Zaunseite noch die Möglichkeit haben, sich zu verstecken. Weiterhin wird mit dem frühen Absammeln vermieden, dass die Tiere austrocknen oder Prädatoren aktiv werden. Für die Erhebungen mit Fangkreuz gilt dies in besonderem Maße, da diese Methode auch im Sommer/Spätsommer zur Anwendung kommt.
  • Bei Zaunlängen > 1000 m Länge sollten die Kontrollen daher mit 2 Personen durchgeführt werden.
  • Bei einer Frühjahrserhebung mit Fangzäunen sind die Kontrollen auch an Tagen durchzuführen, in denen die Temperaturen keine Amphibienwanderungen erwarten lassen, da z.B. auch Mäuse in die Eimer fallen können. Das Einbringen von Stöckchen, an denen die Mäuse aus den Eimern heraus klettern können ist bei dem Vorkommen von Molcharten nicht möglich, da die Molche daran auch aus den Eimern klettern.
  • In klaren Nächten ergibt sich im Laufe des Abends/der Nacht ein deutliches Temperaturgefälle zwischen Offenland (Strahlungsnächte) und Wald bzw. Gehölzflächen. Daher sind Angaben zu den Temperaturen und Wanderaktivitäten zwischen Offenland und Wald für beide Habitattypen getrennt aufzuführen.
  • Im Zusammenhang mit Kartiertätigkeiten in (semi-)aquatischen Lebensräumen haben sich hochinfektiöse Amphibienkrankheiten (Ranaviren, Chytridiomykose) in den vergangenen Jahren zu einer schwerwiegenden Bedrohung für die heimische Amphibienfauna entwickelt. Es ist dringend geboten, die Ausbreitung der Krankheitserreger zu erschweren. Kartierer, die sich in (semi-)aquatischen Lebensräumen von Amphibien aufhalten, müssen dringend die Hygieneregeln der Universität Trier einhalten, die vom LANUV im Jahr 2015 als “Hygieneprotokoll” veröffentlicht wurden. Zur Verhinderung der Übertragung eines Krankheitserregers zwischen Populationen sollten bei einem Wechsel zwischen zwei Gewässern die Stiefel, Kescher, Fallen etc. gründlich mit Wasser gereinigt und desinfiziert werden und alles anschließend gut getrocknet werden. Hintergrundinformationen sowie das Hygieneprotokoll des LANUV finden sich unter: https://www.lanuv.nrw.de/natur/artenschutz/amphibienkrankheiten/

Literatur

  • Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlicher Raum und Verbraucherschutz – Abteilung Forsten und Naturschutz (HMULV 2006, Hrsg): Natura 2000. Die Situation der Amphibien der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie in Hessen, zusammengestellt von C. Geske, 158 S., Wiesbaden.
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV, 2010): FFH-Arten und Europäische Vogelarten; Online unter http://www.naturschutzinformationen-nrw.de/ffh-arten/de/arten/gruppe/amph_rept/liste
  • Schlüpmann, M. (2005): Bestimmungshilfen. – Rundbrief zur Herpetofauna NRW (Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen) Nr. 28: 1-36. Online im Internet: http://www.herpetofauna-nrw.de/downloads/rdbr28_april2005_bestimmungshilfen.pdf
  • Schlüpmann, M. u. Kupfer, A. (2009): Methoden der Amphibienerfassung – eine Übersicht. S. 7-84 in: Hachtel, M., Schlüpmann, M., Thiesmeier, B. u. Weddeling, K. (Hrsg.): Methoden der Feldherpetologie. – Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 15.
  • von Bülow, B.; Geiger, A. u. Schlüpmann, M. (2011): 3.13 Moorfrosch – Rana arvalis. In: Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens. – Bielefeld (Laurenti), 725-762.