Laubfrosch  (Hyla arborea (Linnaeus, 1758))

(Syn.: Rana arborea, Hyla viridis)

EU-Code: 1203

Artspezifisch geeignete Kartiermethoden (Methodensteckbriefe)

1. Bestandserfassung (Ersterhebung)

1.1.1. Kartiermethode: Verhören, Sichtbeobachtung, Kescherfang
  • Verhören: Registrierung rufender adulter Individuen.
  • Sichtbeobachtung: Suche nach adulten Tieren im Bereich der Laich- und Rufgewässer und im weiteren terrestrischen Umfeld; 3. Begehung ab August zur Erfassung von Jungtieren auf geeigneten Sitzwarten in der Vegetation (bevorzugt Brombeeren, auch Ufervegetation und angrenzende Hochstaudenfluren, andere Gebüsche), sowie Erfassung von Laich und Larven in den Gewässern parallel zu den Begehungen.
  • Kescherfang: Registrierung Adulti und Larven.
1.1.2. Termine:
  • Verhören / Sichtbeobachtung: 3 Untersuchungstermine im Zeitraum von Mai bis August. Die beiden ersten im Mai mit Verhören und Sichtbeobachtung der Adulti, der 3. Termin im August mit Sichtbeobachtung/Suche nach diesjährigen Jungtieren im gewässernahen Umfeld.
  • Kescherfang: ggf. zusätzlich beim 3. Untersuchungstermin im August zur Erfassung später Larven im Gewässer. Wenn der Schwerpunkt der Untersuchung auf Reproduktion abstellt, dann ist ein zusätzlicher Untersuchungstermin mit Keschern nach Larven im Juni/Juli erforderlich.
1.1.3. Günstige Tageszeit:
  • Sichtbeobachtung: ganztägig möglich.
  • Verhören: nach Einbruch der Dunkelheit bis 23:00/24:00 Uhr (danach nehmen die Aktivitäten der adulten Tiere ab).
1.1.4. Günstige Witterungsbedingungen:
  • Sichtbeobachtung: Begehungen an warmen, sonnigen Tagen. Keine Erfassung in Frostnächten.
  • Besonders kurz vor und nach Gewittern und Regenperioden ist die Registrierung von Rufaktivitäten günstig.
1.1.5. Auswertung der Bestandserfassung:
  • Abschätzung der Populationsgröße am besten durch nächtliches Verhören.
  • Keschern und Erfassung der Jungtiere erlaubt lediglich Feststellung zu erfolgter Reproduktion.
1.1.6. Hinweise:
  • Es hat sich bewährt in jeder Erfassungsnacht zunächst die Rufaktivität einer größeren, gut dokumentieren Laubfrosch Population einer Region einzuschätzen und erst anschließend in das neue Untersuchungsgebiet zu fahren.
  • Berücksichtigung der bei der Nachtbegehung (Verhören) durch Sichtbeobachtung ermittelten adulten Tiere und Larven.
  • Akustische Klangattrappen können bei der Laubfroscherfassung zur Stimulation zum Einsatz kommen.
  • Verhören zur Bestandseinschätzung nur in guten Rufnächten (warm, Lufttemperaturen etwa 18-20 Grad).
  • Bei der Übernahme von Fremddaten ist die richtige Zuordnung von Wasserfrosch- und Laubfroschrufen kritisch zu prüfen.
  • Reproduktionsnachweis (Larven, frisch metamorphosierte Tiere im gewässernahen Umfeld) ist wichtig, um zwischen Rufgewässer und Reproduktionsgewässer zu unterscheiden. Der Laubfrosch bildet Metapopulationen mit relativ wenigen Reproduktionsgewässern aber vielen Rufgewässern. Gewässer ohne Reproduktionsnachweis in einem Jahr können in anderen Jahren als Laichgewässer dienen.
  • Rufstarke Gruppen (ab etwa > 20 Tiere) können nicht mehr einzeln ausgezählt werden. Hier ist eine Gruppengröße zu schätzen. Verhören großer Rufgemeinschaften am besten durch mehrere Personen, dabei evtl. Aufteilung des Gebietes / Gewässerkomplexes in Sektoren.
  • Im Zusammenhang mit Kartiertätigkeiten in (semi-)aquatischen Lebensräumen haben sich hochinfektiöse Amphibienkrankheiten (Ranaviren, Chytridiomykose) in den vergangenen Jahren zu einer schwerwiegenden Bedrohung für die heimische Amphibienfauna entwickelt. Es ist dringend geboten, die Ausbreitung der Krankheitserreger zu erschweren. Kartierer, die sich in (semi-)aquatischen Lebensräumen von Amphibien aufhalten, müssen dringend die Hygieneregeln der Universität Trier einhalten, die vom LANUV im Jahr 2015 als “Hygieneprotokoll” veröffentlicht wurden. Zur Verhinderung der Übertragung eines Krankheitserregers zwischen Populationen sollten bei einem Wechsel zwischen zwei Gewässern die Stiefel, Kescher, Fallen etc. gründlich mit Wasser gereinigt und desinfiziert werden und alles anschließend gut getrocknet werden. Hintergrundinformationen sowie das Hygieneprotokoll des LANUV finden sich unter: https://www.lanuv.nrw.de/natur/artenschutz/amphibienkrankheiten/

Literatur

  • Geiger, A., Mutz, T. u. Böttger, R. (2011): 3.12 Laubfrosch – Hyla arborea. - In: Arbeitskreis Amphibien und Reptilien in Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens, Band 1: 689-724.
  • Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlicher Raum und Verbraucherschutz – Abteilung Forsten und Naturschutz (HMULV 2006, Hrsg): Natura 2000. Die Situation der Amphibien der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie in Hessen, zusammengestellt von C. Geske, 158 S., Wiesbaden.
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV, 2010): FFH-Arten und Europäische Vogelarten; Online unter http://www.naturschutzinformationen-nrw.de/ffh-arten/de/arten/gruppe/amph_rept/liste, Abruf Februar 2014.
  • Schlüpmann, M. u. Kupfer, A. (2009): Methoden der Amphibienerfassung – eine Übersicht. S. 7-84 in: Hachtel, M., Schlüpmann, M., Thiesmeier, B. u. Weddeling, K. (Hrsg.): Methoden der Feldherpetologie. – Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 15.