Bechsteinfledermaus  (Myotis bechsteinii (Kuhl,1818))

(Syn.: Nycates bechsteinii, Myotus bechsteini, Vespertilio bechsteini Leisleri)

EU-Code: 1323

FFH-Anh. II, FFH-Anh. IV

Rote Liste 2010 NRW: 2
Rote Liste D: 3
Erhaltungszustand in NRW (ATL): S↑
Erhaltungszustand in NRW (KON): S↑

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
© Foto: Peter Schütz, Essen
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
© Foto: Henning Vierhaus, Bad Sassendorf-Lohne

Die Bechsteinfledermaus ist eine mittelgroße Fledermaus mit einer Körperlänge von 4,5 bis 5,5 cm und einem Gewicht von 7 bis 12 g. Die Ohren sind auffallend breit und lang, berühren sich aber nicht wie bei den Langohren in der Kopfmitte. Der lange Ohrdeckel ist lanzettförmig und oben spitz, er erreicht etwa die halbe Ohrlänge. Das Rückenfell weist eine rötlichbraune Färbung auf, die Bauchseite ist weißgrau. Ohren und Flughaut sind graubraun gefärbt. Die Flügel sind relativ kurz und breit (Spannweite: 25-29 cm). Der Ruf ist besonders während der Jagd eher leise, und liegt bei 41 bis 48 kHz. Er entspricht dem typischen trocknen „Rattern“ anderer Myotis-Arten, und kann daher leicht verwechselt werden.

Die Bechsteinfledermaus ist die am stärksten an den Lebensraum Wald gebundene einheimische Fledermausart. Als typische Waldfledermaus bevorzugt sie große, mehrschichtige, teilweise feuchte Laub- und Mischwälder mit einem hohen Altholzanteil. Seltener werden Kiefern(-misch)wälder, parkartige Offenlandbereiche sowie Streuobstwiesen oder Gärten besiedelt. Unterwuchsfreie Hallenwälder werden gemieden. Die Jagdflüge erfolgen entlang der Vegetation vom Boden bis zum Kronenbereich oder von Hangplätzen aus. Die individuell genutzten Jagdreviere der extrem ortstreuen Tiere sind meist zwischen 3 und 100 ha groß und liegen in der Regel innerhalb eines Radius von etwa 500 bis 1.500 m um die Quartiere. Außerhalb von Wäldern gelegene Jagdgebiete werden über traditionell genutzte Flugrouten entlang linearer Landschaftselemente erreicht. Als Wochenstuben nutzen Bechsteinfledermäuse im Sommerhalbjahr vor allem Baumquartiere (z.B. Spechthöhlen) sowie Nistkästen. Ab Mitte Juni bringen die Weibchen in kleinen Wochenstuben mit meist 30 Tieren ihre Jungen zur Welt. Da die Quartiere häufig gewechselt werden, sind sie auf ein großes Quartierangebot angewiesen. Die Männchen schlafen einzeln oder in kleinen Gruppen, oftmals in Spalten hinter abstehender Baumrinde. Ab August lösen sich die Wochenstuben wieder auf.

Einige Tiere überwintern von November bis März/April in unterirdischen Winterquartieren wie Höhlen, Stollen, Kellern, Brunnen. Bevorzugt werden eher feuchte Standorte mit einer Temperatur von 3 bis 7 °C. Der Großteil überwintert in aktuell nicht bekannten Quartieren, vermutlich auch in Baumhöhlen. Als Kurzstreckenwanderer legen Bechsteinfledermäuse bei ihren Wanderungen maximal 39 km zwischen Sommer- und Winterlebensraum zurück.

In Nordrhein-Westfalen gilt die Art als „stark gefährdet“. Die Vorkommen liegen überwiegend in den Mittelgebirgsregionen und deren Randlagen. Aus dem Tiefland sind vor allem Vorkommen aus der Westfälischen Bucht nachgewiesen. Aktuell sind mindestens 17 Wochenstubenkolonien, mehr als 5 bedeutende Schwarmquartiere sowie über 10 Winterquartiere bekannt (2015).