Springfrosch  (Rana dalmatina Bonaparte,1840)

(Syn.: Rana agilis, R. gracilis)

EU-Code: 1209

Artspezifisch geeignete Kartiermethoden (Methodensteckbriefe)

1. Bestandserfassung (Ersterhebung)

1.1.1. Kartiermethode: Verhören, Sichtbeobachtung, ausnahmsweise Fangzaun
  • Verhören: Registrierung rufender adulter Individuen.
  • Sichtbeobachtung: Suche nach adulten Tieren, Jungtieren, Larven und Laich im Bereich der Laichgewässer und im weiteren terrestrischen Umfeld. Zur Zählung der Laichballen muss das gesamte Gewässer mit der Wathose abgesucht werden, da Springfrösche ihre Laichballen im gesamten Gewässer verteilt an Pflanzen oder Zweigen ablegen.
  • Ausnahmsweise: Fangzaun zur Ermittlung von Aktivitätsdichten/Wanderverhalten (Wanderkorridore zwischen Sommerhabitaten und Winterquartieren).
1.1.2. Termine:
  • Sichtbeobachtung / Verhören: 3 Untersuchungstermine von Februar bis März. Sichtbeobachtung im weiteren terrestrischen Umfeld und im Bereich der Laichgewässer am gleichen Tag wie das Verhören.
  • Fangzaun: Ab Ende Februar bis max. Ende März, nach Schneeschmelze bzw. Frostperiode und Nachttemperaturen über dem Gefrierpunkt.
1.1.3. Günstige Tageszeit:
  • Verhören bevorzugt nach Einbruch der Dunkelheit bis 23:00/24:00 Uhr (danach nehmen die Aktivitäten der adulten Tiere ab), in günstigen Nächten kann sich die Aktivitätszeit verlängern.
  • Sichtbeobachtung ganztägig möglich. Laichballenzählung bevorzugt am Tage.
1.1.4. Günstige Witterungsbedingungen:
  • Erfassung bei Nachttemperaturen über dem Gefrierpunkt.
1.1.5. Auswertung der Bestandserfassung:
  • Abschätzung der Populationsgröße durch Zählung der Laichballen, ggf. auch hilfsweise über Anzahl der rufenden Männchen.
  • Fangzaun: Auswertung je Eimer über den Fangzeitraum, ggf. Bildung von Zaunabschnitten.
  • Ermitteln von Bereichen hoher Wanderaktivität und solchen mit geringer oder fehlender Wanderaktivität auf Grundlage der verorteten Fangzahlen der gesamten Erhebungszeit.
  • Von den Aktivitätsdichten können Bedeutung und Funktionen abgeleitet werden. Identifikation von Winterhabitaten ist möglich, ebenso von Wanderrichtungen.
  • Ermittlung von Überwinterung in Korridoren: Bei quer zur Wanderrichtung aufgestellten Fangzäunen kann aus der Differenz der Fangzahlen beider Zäune überschlägig der Anteil der zwischen den Zäunen überwinternden Tiere ermittelt werden.
  • Umzäunung von einzelnen Quartieren und Probeflächen: Absolute Zahlen können auf Gesamtfläche oder Anzahl der Ersatzlebensräume hochgerechnet werden. Lage zu den Laichgewässern ist zu beachten. Aussage, ob Ersatzquartier angenommen wurde und Anzahl überwinternder Tiere, zeitliche Veränderungen der abwandernden Tiere zwischen den Monitoringdurchgängen.
1.1.6. Hinweise:
  • Eine sichere Ansprache der 3 heimischen Braunfrösche, zu denen der Springfrosch zählt, bzw. des Braunfroschlaichs muss vorausgesetzt werden.
  • Beim Verhören der Tiere kann der Einsatz von Unterwassermikrophonen hilfreich sein.
  • Der Springfrosch laicht sehr früh, nach Möglichkeit ist die Hauptlaichzeit in der Kartierung erfassen.
  • Die Hauptlaichzeit erstreckt sich beim Springfrosch nur über 3 bis 4 Tage, die dann zur Erfassung der rufenden Männchen genutzt werden sollte.
  • Gute Bestandserfassungen erfolgen über das Auszählen der Laichballen.
  • Die Eimer an den Fangzäunen sind mit kleinen Löchern zu versehen, damit Regenwasser ablaufen kann.
  • Die Kontrollen der Eimer müssen in den frühen Morgenstunden/der Dämmerung durchgeführt werden, damit die Tiere nach dem Umsetzen die Möglichkeit haben, sich auf der anderen Zaunseite noch zu verstecken. Weiterhin wird mit dem frühen Absammeln vermieden, dass die Tiere austrocken oder Prädatoren aktiv werden. Bei Zaunlängen > 1000 m sollten die Kontrollen daher mit 2 Personen durchgeführt werden.
  • Bei einer Frühjahrserhebung mit Fangzäunen sind die Kontrollen auch an Tagen durchzuführen, in denen die Temperaturen keine Amphibienwanderungen erwarten lassen, da z.B. auch Mäuse in die Eimer fallen können. Das Einbringen von Stöckchen, an denen die Mäuse aus den Eimern heraus klettern können, ist bei dem Vorkommen von Molcharten nicht möglich, da die Molche daran auch aus den Eimern klettern.
  • In klaren Nächten ergibt sich im Laufe des Abends/der Nacht ein deutliches Temperaturgefälle zwischen Offenland (Strahlungsnächte) und Wald bzw. Gehölzflächen. Daher sind Angaben zu den Temperaturen und Wanderaktivitäten zwischen Offenland und Wald für diese Habitattypen getrennt aufzuführen.
  • Im Zusammenhang mit Kartiertätigkeiten in (semi-)aquatischen Lebensräumen haben sich hochinfektiöse Amphibienkrankheiten (Ranaviren, Chytridiomykose) in den vergangenen Jahren zu einer schwerwiegenden Bedrohung für die heimische Amphibienfauna entwickelt. Es ist dringend geboten, die Ausbreitung der Krankheitserreger zu erschweren. Kartierer, die sich in (semi-)aquatischen Lebensräumen von Amphibien aufhalten, müssen dringend die Hygieneregeln der Universität Trier einhalten, die vom LANUV im Jahr 2015 als “Hygieneprotokoll” veröffentlicht wurden. Zur Verhinderung der Übertragung eines Krankheitserregers zwischen Populationen sollten bei einem Wechsel zwischen zwei Gewässern die Stiefel, Kescher, Fallen etc. gründlich mit Wasser gereinigt und desinfiziert werden und alles anschließend gut getrocknet werden. Hintergrundinformationen sowie das Hygieneprotokoll des LANUV finden sich unter: https://www.lanuv.nrw.de/natur/artenschutz/amphibienkrankheiten/

Literatur

  • Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV, 2010): FFH-Arten und Europäische Vogelarten; Online unter http://www.naturschutzinformationen-nrw.de/ffh-arten/de/arten/gruppe/amph_rept/liste, Abruf Februar 2014.
  • Schlüpmann, M. (2005): Bestimmungshilfen. – Rundbrief zur Herpetofauna NRW (Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen) Nr. 28: 1-36. Online im Internet: http://www.herpetofauna-nrw.de/downloads/rdbr28_april2005_bestimmungshilfen.pdf, Abruf Februar 2014.
  • Schlüpmann, M. u. Kupfer, A. (2009): Methoden der Amphibienerfassung – eine Übersicht. S. 7-84 in: Hachtel, M., Schlüpmann, M., Thiesmeier, B. u. Weddeling, K. (Hrsg.): Methoden der Feldherpetologie. – Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 15.