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Verbreitungskarten

Graues Langohr  (Plecotus austriacus (Fisch.,1829))

(Syn.: Vespertilio auritus var. Austriacus, Plecotus kirschbaumii, Plecotus auritus var. breviceps)

EU-Code: 1329

FFH-Anh. IV

Rote Liste 2010 NRW: 1
Rote Liste D: 2
Erhaltungszustand in NRW (ATL): S
Erhaltungszustand in NRW (KON): S

Graues Langohr (Plecotus austriacus)
© Foto: Henning Vierhaus, Bad Sassendorf-Lohne

Äußerlich ähnelt das Graue Langohr dem nahe verwandten Braunen Langohr. Der Körper ist geringfügig größer und schwerer (4-6 cm, 5-13 g), die Ohren erreichen ebenfalls eine Länge von 3 bis 4 cm. Werden sie in Ruhestellung nach hinten geklappt, bleibt der breite Ohrdeckel gut sichtbar. Das lange Rückenfell ist an der Haarbasis dunkel schiefergrau und an den Spitzen grau gefärbt. Die Bauchseite erscheint hellgrau. Flughäute, Ohren und Schnauze sind ebenfalls grau gefärbt. Um die Augen trägt das Graue Langohr eine dunkle Maske, die jedoch auch bei Braunen Langohren auftreten kann. Die Flügel sind relativ kurz und breit (Spannweite: 25,5-29 cm). Die Tiere rufen mit einem trockenen Knacken etwas lauter als das Braune Langohr, bei 23 bis 28 kHz.

Graue Langohren gelten als typische „Dorffledermäuse“, die als Gebäudebewohner in strukturreichen, dörflichen Siedlungsbereichen in trocken-warmen Agrarlandschaften vorkommen. Als Jagdgebiete dienen siedlungsnahe heckenreiche Grünländer, Waldränder, Obstwiesen, Gärten, Parkanlagen, seltener auch landwirtschaftliche Gebäude. Ebenso werden Laub- und Mischwälder (v.a. Buchenhallenwälder) genutzt, wobei große Waldgebiete gemieden werden. Die Tiere jagen bevorzugt im freien Luftraum, im Kronenbereich von Bäumen sowie im Schein von Straßenlaternen in niedriger Höhe (2-5 m). Die individuell genutzten Jagdreviere sind 5 bis 75 ha groß und liegen meist in einem Radius von bis zu 5,5 km um die Quartiere. Die Wochenstuben befinden sich ausschließlich in oder an Gebäuden (v.a. Kirchen), wo sich die Tiere in Spaltenverstecken, hinter Holzverschalungen oder frei hängend auf geräumigen Dachböden aufhalten. Einzelne Männchen schlafen auch in Baumhöhlen und Fledermauskästen sowie in Höhlen und Stollen. In Kolonien mit meist 10 (max. 180) Tieren bringen die standorttreuen Weibchen ab Mitte Juni ihre Jungen zur Welt. Ab Mitte August lösen sich die Wochenstuben wieder auf. Graue Langohren sind im Quartier sehr störungsanfällig und ziehen sich schnell in kleinste Spalten zurück.

Die Tiere überwintern von Oktober bis März als Einzeltiere in Kellern, Stollen und Höhlen, aber auch in Spalten an Gebäuden und auf Dachböden. Graue Langohren gelten als kälteresistent und bevorzugen eher trockene Quartiere mit Temperaturen von 2 bis 5 °C. Als Kurzstreckenwanderer legen sie nur selten Entfernungen von über 18 km zwischen Sommer- und Winterquartier zurück.

Das Graue Langohr erreicht in Nordwestdeutschland seine nördliche Verbreitungsgrenze. Die Art ist in Nordrhein-Westfalen „vom Aussterben bedroht“ und kommt vor allem im westlichen Rheinland sowie in der Eifel vor. Nur wenige ältere Nachweise aus Westfalen konnten nach 1990 bestätigt werden. Aktuell sind mindestens 8 Wochenstubenkolonien bekannt (2015).