Wechselkröte  (Bufo viridis Laur.,1768)

(Syn.: Grüne Kröte)

(Syn.: Bufo schreberianus, B. viridi-radiatus, Rana variabilis)

EU-Code: 1201

Artspezifisch geeignete Kartiermethoden (Methodensteckbriefe)

1. Bestandserfassung (Ersterhebung)

1.1.1. Kartiermethode: Verhören, Sichtbeobachtung
  • Verhören: Registrierung rufender adulter Individuen.
  • Sichtbeobachtung: Suche nach adulten Tieren in ihren Tagesverstecken unter Totholz, Brettern oder Steinen im weiteren terrestrischen Umfeld sowie Suche nach Jungtieren, Larven und Laich im Bereich der Laichgewässer.
  • (Berücksichtigung von Fängen an Fangzäunen, wenn diese für andere Arten aufgestellt werden.)
1.1.2. Termine:
  • Sichtbeobachtung / Verhören: 3 Untersuchungstermine mit jeweils Verhören (Anzahl Rufer) und Sichtbeobachtung am gleichen Tag im Zeitraum April bis Mitte August. Begehung im Juli mit Schwerpunkt auf juvenilen Tiere und Larven.
1.1.3. Günstige Tageszeit:
  • Sichtbeobachtung ganztägig möglich.
  • Verhören nach Einbruch der Dunkelheit bis 23:00/24:00 Uhr (danach nehmen die Aktivitäten der adulten Tiere ab).
1.1.4. Günstige Witterungsbedingungen:
  • Begehungen bevorzugt nach Regen an warmen Tagen, insbesondere vor und nach Gewittern und Regenperioden. Keine Erfassung in Frostnächten. Keine Erfassung in den sehr trockenen Wochen der Sommermonate.
1.1.5. Auswertung der Bestandserfassung:
  • Abschätzung der Populationsgröße durch Verhören und Sichtbeobachtung der Tiere.
1.1.6. Hinweise:
  • Berücksichtigung der bei der Nachtbegehung durch Sichtbeobachtung ermittelten adulten Tiere und Larven.
  • Der Einsatz von akustischen Klangattrappen hat sich in der Praxis nur bedingt bewährt und hängt wesentlich von der Erfahrung des Erfassers ab. Nachsuche nicht nur in den Gewässer, sondern auch in Tagesverstecken wie z. B. unter Totholz, Brettern oder Steinen. Das Auslegen von Schaltafeln, Förderbandmatten, Brettern im Nahbereich der Gewässer zur Bestandserfassung hat sich dabei bewährt.
  • Eine zuverlässige Unterscheidung des Laichs von Kreuz- und Wechselkröte ist nicht möglich.
  • Frisch abgesetzte Laichschnüre lassen sich tagsüber oder auch mit einer Lampe nachts in Verbindung mit dem Verhören der Rufer zählen. In Mischpopulationen von Kreuz- und Wechselkröte muss bei der Laichzählung eine Verwechslung ausgeschlossen werden.
  • Die Unterscheidung von jungen Larven der Bufo-Arten ist schwierig, im fortgeschrittenen Stadium aber sind die Larven der Wechselkröte aufgrund der helleren, graubraunen Färbung gut zu erkennen.
  • Ab Mitte September bis Mitte Oktober sind die adulten Tiere außerhalb der Fortpflanzungsphase in regnerischen Nächten auch gut nachts mit Hilfe von Lampen im Landlebensraum zu finden. In der Auswertung sind diese Funde nicht als Teil der systematischen Erfassung zu werten.
  • Im Zusammenhang mit Kartiertätigkeiten in (semi-)aquatischen Lebensräumen haben sich hochinfektiöse Amphibienkrankheiten (Ranaviren, Chytridiomykose) in den vergangenen Jahren zu einer schwerwiegenden Bedrohung für die heimische Amphibienfauna entwickelt. Es ist dringend geboten, die Ausbreitung der Krankheitserreger zu erschweren. Kartierer, die sich in (semi-)aquatischen Lebensräumen von Amphibien aufhalten, müssen dringend die Hygieneregeln der Universität Trier einhalten, die vom LANUV im Jahr 2015 als “Hygieneprotokoll” veröffentlicht wurden. Zur Verhinderung der Übertragung eines Krankheitserregers zwischen Populationen sollten bei einem Wechsel zwischen zwei Gewässern die Stiefel, Kescher, Fallen etc. gründlich mit Wasser gereinigt und desinfiziert werden und alles anschließend gut getrocknet werden. Hintergrundinformationen sowie das Hygieneprotokoll des LANUV finden sich unter: https://www.lanuv.nrw.de/natur/artenschutz/amphibienkrankheiten/

Literatur

  • Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV, 2010): FFH-Arten und Europäische Vogelarten; Online unter http://www.naturschutzinformationen-nrw.de/ffh-arten/de/arten/gruppe/amph_rept/liste, Stand Februar 2014.
  • Schlüpmann, M. u. Kupfer, A. (2009): Methoden der Amphibienerfassung – eine Übersicht. S. 7-84 in: Hachtel, M., Schlüpmann, M., Thiesmeier, B. u. Weddeling, K. (Hrsg.): Methoden der Feldherpetologie. – Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 15.
  • Vences, M., Glaw, F. u. Hachtel, M. (2011): 3.11 Wechselkröte – Bufo viridis. In: Arbeitskreis Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens. – Bielefeld (Laurenti), 667-688.