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Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen


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Wildkatze  (Felis silvestris Schreb.,1775)

(Syn.: Waldkatze)

EU-Code: 1363

FFH-Anh. IV

Rote Liste 2010 NRW: 3
Rote Liste 1999 NRW: 1
Rote Liste D: 2
Erhaltungszustand in NRW (ATL):
Erhaltungszustand in NRW (KON): U↑

Wildkatze (Felis silvestris)
© Foto: Peter Schütz, Essen
Wildkatze (Felis silvestris)
© Foto: Peter Schütz, Essen

Die Wildkatze hat ein gelblichgrau bis bräunlich gefärbtes Rückenfell, das mit einem undeutlichen, verwaschenen schwarzen Tigermuster gezeichnet ist. Über die Rückenmitte zieht sich von den Schulterblättern bis zur Schwanzwurzel ein schwarzer Aalstrich. Der buschig behaarte Schwanz trägt drei oder mehr geschlossene schwarze Ringe sowie ein schwarz gefärbtes, stumpfes Ende. Er ist länger als 50% der Körperlänge. Der Nasenspiegel ist stets hell fleischfarben. Die Tiere erreichen eine Körpergröße (Kopf-Rumpf-Länge) von 45 bis 67 cm und eine Schwanzlänge von 26 bis 35 cm. Sie werden bis zu 6,5 kg (Männchen) beziehungsweise 5 kg (Weibchen) schwer. Die Wildkatze ähnelt einer wildfarbenen Hauskatze, allerdings wirken die Tiere im Winter durch das lange, dichte Fell größer und massiger. Wildkatzen im Sommerfell und Jungkatzen können jedoch leicht mit Hauskatzen verwechselt werden. Eine sichere Unterscheidung ist nur anhand morphometrischer Merkmale (Schädelvolumen, Darmlänge) oder mit molekulargenetischen Methoden möglich.

Die Wildkatze ist eine scheue, einzelgängerisch lebende Waldkatze. Sie ist eine Leitart für kaum zerschnittene, möglichst naturnahe waldreiche Landschaften. Sie benötigt große zusammenhängende und störungsarme Wälder (v.a. alte Laub- und Mischwälder) mit reichlich Unterwuchs, Windwurfflächen, Waldrändern, ruhigen Dickichten und Wasserstellen. Bevorzugte Nahrungsflächen sind Waldränder, Waldlichtungen, waldnahe Wiesen und Felder, aber auch weiter entfernt gelegene gehölzreiche Offenlandbereiche (bis zu 1,5 km). Darüber hinaus benötigen die Tiere ein ausreichendes Angebot an natürlichen Versteckmöglichkeiten als Schlafplätze und zur Jungenaufzucht (v.a. dichtes Gestrüpp, bodennahe Baumhöhlen, Wurzelteller, trockene Felsquartiere, verlassene Fuchs- oder Dachsbaue). Gerne werden auch Bunkeranlagen als Winterquartier bei Kälteeinbrüchen oder zur Jungenaufzucht angenommen. Im April kommen die Jungtiere zur Welt, sie verlassen nach spätestens 6 Monaten ihre Mutter. Die Wildkatze ist eine hochmobile Art mit einem großen Raumanspruch. In der Nordeifel beträgt die Größe der Streifgebiete bei den Katern 1.000 bis 2.000 ha, bei den Katzen etwa 500 ha. Innerhalb ihres Lebensraumes legen die Tiere Entfernungen von durchschnittlich 3 km pro Nacht im Sommer beziehungsweise 11 km pro Nacht im Winter zurück.

Die Wildkatze war noch im 19. Jahrhundert in Nordrhein-Westfalen in den bergigen Regionen flächig verbreitet. Nach einem starken Bestandsrückgang im 20. Jahrhundert hat sie in den letzten Jahren große Areale und Lebensräume wiederbesiedelt. Aktuell gilt sie nur noch als „gefährdet“. Hauptverbreitungsgebiete sind die Eifelregion, das Sauerland, die Egge und das Oberwälder Bergland im Kreis Höxter. Der landesweite Bestand wird insgesamt auf etwa 300 bis 400 Exemplare geschätzt (2015). Die Wildkatzenpopulation in der Eifel ist Teil des deutschen Verbreitungszentrums und gehört zur größten Population der Art in ganz Mitteleuropa.