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Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen


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Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen


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Rauhautfledermaus  (Pipistrellus nathusii (Keys.& Blas.,1839))

EU-Code: 1317

FFH-Anh. IV

Rote Liste 2010 NRW: R
Rote Liste 1999 NRW: I
Rote Liste D: G
Erhaltungszustand in NRW (ATL): G
Erhaltungszustand in NRW (KON): G

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
© Foto: Henning Vierhaus, Bad Sassendorf-Lohne

Die Rauhautfledermaus ist eine kleine Fledermausart, die eine Körpergröße von 4,5 bis 5,5 cm erreicht. Das Gewicht beträgt 6 bis 8 g, die Spannweite der Flügel 23 bis 25 cm. Charakteristisch sind die kurzen dreieckigen, an der Spitze abgerundeten Ohren sowie der kurze, leicht nach innen gebogene Ohrdeckel. Die Fellfarbe zeigt saisonale Unterschiede: Während sie im Sommer an der Oberseite rot- bis kastanienbraun ist, nimmt sie im Herbst eine dunkelbraune Färbung mit einem deutlich grauen Überzug an. Die Schwanzflughaut ist oberseits bis zur Hälfte, und unterseits entlang der Unterschenkel behaart. Die Ortungslaute sind im Ultraschalldetektor je nach Habitat am besten bei 39 kHz (offenes Habitat) bis 42 kHz (Waldrand) zu hören.

Die Rauhautfledermaus gilt als eine typische Waldart, die in strukturreichen Landschaften mit einem hohen Wald- und Gewässeranteil vorkommt. Besiedelt werden Laub- und Kiefernwälder, wobei Auwaldgebiete in den Niederungen größerer Flüsse bevorzugt werden. Als Jagdgebiete werden vor allem insektenreiche Waldränder, Gewässerufer und Feuchtgebiete in Wäldern aufgesucht, wo die Tiere als Patrouillenjäger in 5 bis 15 m Höhe kleine Fluginsekten erbeuten. Die individuellen Jagdgebiete sind durchschnittlich 18 ha groß und können in einem Radius von 6 bis 7 (max. 12) km um die Quartiere liegen. Als Sommer- und Paarungsquartiere werden Spaltenverstecke an Bäumen bevorzugt, die meist im Wald oder an Waldrändern in Gewässernähe liegen. Genutzt werden auch Baumhöhlen, Fledermauskästen, Jagdkanzeln, seltener auch Holzstapel oder waldnahe Gebäudequartiere. Die Wochenstubenkolonien der Weibchen mit 50 bis 200 Tieren befinden sich vor allem in Nordostdeutschland. In Nordrhein-Westfalen gibt es bislang nur eine Wochenstube. Ab Mitte Juni kommen die Jungen zur Welt. Bereits ab Mitte Juli lösen sich die Wochenstuben wieder auf. Balz und Paarung finden während des Durchzuges von Mitte Juli bis Anfang Oktober statt. Dazu besetzen die reviertreuen Männchen individuelle Balz- und Paarungsquartiere.

Die Überwinterungsgebiete der Rauhautfledermaus liegen vor allem außerhalb von Nordrhein-Westfalen. Es werden überirdische Spaltenquartiere und Hohlräume an Bäumen und Gebäuden bevorzugt. Dort überwintern die Tiere von Oktober/November bis März einzeln oder in Kleingruppen mit bis zu 20 Tieren. Als Fernstreckenwanderer legt die Art bei ihren saisonalen Wanderungen zwischen den Reproduktions- und Überwinterungsgebieten von Nordost- nach Südwest-Europa große Entfernungen über 1.000 (max. 1.900) km zurück.

Die Rauhautfledermaus gilt in Nordrhein-Westfalen hinsichtlich der ziehenden Vorkommen als „ungefährdet“, da die Art während der Durchzugs- und Paarungszeit vor allem im Tiefland weit verbreitet ist. Bezüglich der reproduzierenden Vorkommen ist die Rauhautfledermaus „durch extreme Seltenheit gefährdet“. Aus den Sommermonaten sind über 15 Balz- und Paarungsquartiere sowie eine Wochenstube mit 50 bis 60 Tieren (Kreis Recklinghausen) bekannt (2015). Seit mehreren Jahren deutet sich in Nordrhein-Westfalen eine Bestandszunahme der Art an.