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Verbreitungskarten

Nordfledermaus  (Eptesicus nilssonii (Keys.& Blas.,1839))

EU-Code: 1313

FFH-Anh. IV

Rote Liste 2010 NRW: 1
Rote Liste D: 2
Erhaltungszustand in NRW (ATL):
Erhaltungszustand in NRW (KON): S

Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)
© Foto: Henning Vierhaus, Bad Sassendorf-Lohne

Mit einer Körpergröße von etwa 5 bis 6 cm und einem Gewicht von 8 bis 18 g gehört die Nordfledermaus zu den mittelgroßen Fledermausarten. Die Tiere haben relativ kleine Ohren mit einem breiten kurzen, nach innen gebogenen Ohrdeckel. Sie besitzen ein langes seidiges, dunkelbraunes Fell mit goldglänzenden Haarspitzen an Oberseite und Scheitel. Die Unterseite ist gelbbraun gefärbt. Schnauze, Ohren und Flughäute (Spannweite: 24-28 cm) sind schwarzbraun. Im Flug erscheinen die Tiere etwa sperlingsgroß, und sind mit dem Ultraschalldetektor am besten bei 28 KHz zu hören.

Die Nordfledermaus ist eine Gebäudefledermaus, die als Lebensraum waldreiche Gebiete im Gebirgsvorland und im Mittelgebirge bevorzugt. Die Jagdgebiete befinden sich in lichten Wäldern, an Waldrändern, über Freiflächen im Wald sowie an Gewässern. Im Siedlungsbereich können die Tiere regelmäßig unter Straßenlaternen beobachtet werden. Bei ihren Jagdflügen jagen die Tiere im freien Luftraum in 4 bis 10 m Höhe entlang festgelegter Routen. Es werden mehrere Jagdgebiete individuell genutzt, die in einem Radius von 0,5 bis 6 (max. 30) km um die Quartiere liegen. Dabei erweisen sich die Tiere als ausgesprochen jagdgebietstreu. Als Wochenstuben werden überwiegend Spaltenquartiere an und in Gebäuden bezogen (z.B. Hausverkleidungen, Fensterläden, Dachpfannen, Dachstühlen). Die eher kleinen Kolonien bestehen aus 20 bis 60 (max. 140) Weibchen. Ab Mitte Juni bringen die Weibchen ihre Jungen zur Welt. Bereits ab Mitte/Ende Juli werden die Wochenstuben wieder aufgelöst. Die Männchen und nicht reproduzierende Weibchen halten sich meist einzeln in Spaltenquartieren an Gebäuden, selten auch in Fledermauskästen oder Baumquartieren auf. Die Nordfledermaus gilt als quartiertreu, Wochenstuben nutzen oft mehrere Quartiere im Verbund.

Nordfledermäuse überwintern von Oktober/November bis März meist einzeln in unterirdischen Winterquartieren wie Stollen, Kellern, Höhlen. Vermutlich überwintert ein Großteil in Gebäudequartieren. Bevorzugt werden eher trockene Standorte mit einer Temperatur von 0 bis 6 °C, wobei die kältetoleranten Tiere durchaus Temperaturen bis -7 °C ertragen können. Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartier finden in Mitteleuropa offenbar nicht statt.

Die Nordfledermaus erreicht in Nordrhein-Westfalen ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze. Sie ist „vom Aussterben bedroht“ und kommt nur im Bereich vom Rothaargebirge bis zum Arnsberger Wald sowie in der Egge vor. Hier sind fünf Winterquartiere und mehrere Sommernachweise bekannt. Aktuell gibt es keinen Beleg für eine Wochenstube in Nordrhein-Westfalen (2015).