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Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen


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Großes Mausohr  (Myotis myotis (Borkh.,1797))

(Syn.: Vespertilio murinus, Vespertilio myotis, Myotis murinum)

EU-Code: 1324

FFH-Anh. II, FFH-Anh. IV

Rote Liste 2010 NRW: 2
Rote Liste 1999 NRW: 2
Rote Liste D: 3
Erhaltungszustand in NRW (ATL): U
Erhaltungszustand in NRW (KON): U

Großes Mausohr (Myotis myotis)
© Foto: Peter Schütz, Essen
Großes Mausohr (Myotis myotis)
© Foto: Peter Schütz, Essen
Großes Mausohr (Myotis myotis)
© Foto: Henning Vierhaus, Bad Sassendorf-Lohne

Das Große Mausohr ist die größte mitteleuropäische Fledermausart. Die Tiere erreichen eine Körperlänge von 6,5 bis 8 cm und ein Gewicht von 28 bis 40 g. Das Fell ist auf dem Rücken gelblichbraun und auf dem Bauch weißlich gefärbt. Das Gesicht ist rosa-fleischfarben und mit Drüsen besetzt, die als dunkle Punkte zu erkennen sind. Die großen fleischfarbenen Ohren tragen einen schmalen spitzen Ohrdeckel, der die halbe Ohrlänge erreicht. Die Flügel sind dunkelbraun und mit einer Spannweite von 35 bis 43 cm sehr breit. Im Flug erscheinen Mausohren deutlich größer als eine Amsel. Die variablen Ortungslaute sind im Ultraschalldetektor am besten bei 27 bis 35 kHz zu hören.

Große Mausohren sind Gebäudefledermäuse, die in strukturreichen Landschaften mit einem hohen Wald- und Gewässeranteil leben. Die Jagdgebiete liegen meist in geschlossenen Waldgebieten. Bevorzugt werden Altersklassen-Laubwälder mit geringer Kraut- und Strauchschicht und einem hindernisfreien Luftraum bis in 2 m Höhe (z.B. Buchenhallenwälder). Seltener werden auch andere Waldtypen oder kurzrasige Grünlandbereiche bejagt. Im langsamen Jagdflug werden Großinsekten (v.a. Laufkäfer) direkt am Boden oder in Bodennähe erbeutet. Die individuellen Jagdgebiete der sehr standorttreuen Weibchen sind 30 bis 35 ha groß. Sie liegen innerhalb eines Radius von meist 10 (max. 25) km um die Quartiere und werden über feste Flugrouten (z.B. lineare Landschaftselemente) erreicht. Die traditionell genutzten Wochenstuben werden Anfang Mai bezogen und befinden sich auf warmen, geräumigen Dachböden von Kirchen, Schlössern und anderen großen Gebäuden. Die Standorte müssen frei von Zugluft und ohne Störungen sein. In Nordrhein-Westfalen bestehen die Kolonien meist aus 20 bis 300 Weibchen. Die Männchen sind im Sommer einzeln oder in kleinen Gruppen in Dachböden, Gebäudespalten, Baumhöhlen oder Fledermauskästen anzutreffen. Ab Ende Mai/Anfang Juni kommen die Jungen zur Welt. Ab Anfang August lösen sich die Wochenstuben wieder auf.

Als Winterquartiere werden unterirdische Verstecke in Höhlen, Stollen, Eiskellern aufgesucht. Hier bevorzugen die Tiere wärmere Bereiche mit 2 bis 10 °C und mit einer hohen Luftfeuchte. Die Winterquartiere werden ab Oktober bezogen und im April wieder verlassen. Bei ihren Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartier legen die Tiere meist geringe Entfernungen unter 50 (max. 390) km zurück.

Das Große Mausohr erreicht in Nordwestdeutschland seine nördliche Verbreitungsgrenze und gilt in Nordrhein-Westfalen als „stark gefährdet“. Im Bergland ist die Art infolge einer deutlichen Bestandszunahme mittlerweile weit verbreitet. Im Tiefland nimmt die Anzahl der früher spärlichen Nachweise zu. Der sommerliche Gesamtbestand wird auf über 5.000 Tiere geschätzt, es existieren mindestens 23 Wochenstubenkolonien. Dagegen überwintern in den mehr als 60 bekannten Winterquartieren nur insgesamt etwa 750 Tiere (2015).