Europäischer Biber (Castor fiber Linnaeus, 1758)
Art und Abgrenzung der Fortpflanzungs- und Ruhestätte (FoRu)
„Enge Abgrenzung“
Fortpflanzungsstätte: Regelmäßig genutzte Sommer- und Winterbaue (gestaltet als Erdbaue oder Knüppelburgen) eines Reviers sowie das unmittelbar angrenzende, selbst angestaute Wohngewässer, da hier die Paarung der Biber stattfindet (MLUL 2010).
Ruhestätte: Neben der Nutzung des Baus als Ruhestätte legt der Biber Röhren im Uferbereich an sowie Röhren, die wie die Baueingänge unter Wasser münden. Diese Röhren sind ebenso als Ruhestätte anzusehen wie die sogenannten „Sassen“, oberirdische, halbrunde Vertiefungen, in denen der Biber in der nächtlichen Aktivitätsphase Pausen einlegt.
Lokalpopulation
- Verpaarte Tiere bzw. das Familienrevier (BfN-Internethandbuch).
- Der Zustand einer Biberpopulation gilt ab 30 besetzten Revieren pro 100 km als hervorragend (SCHUMACHER et al. 2006).
Habitatanforderungen
- Biber sind häufig Bewohner großer, naturnaher Auenlandschaften mit ausgedehnten Weichholzaue, kommen aber ebenso in hoher Dichte an kleinen Fließgewässern in quellnahen Gebieten vor. Geeignete Lebensräume sind Bach- und Flussauen, Entwässerungsgräben, Altarme, Seen, Teichanlagen sowie Abgrabungsgewässer. Wichtig sind eine ständige Wasserführung sowie störungsarme, grabbare Uferböschungen zur Anlage der Baue.
- Bevorzugte Nahrungsgehölze in den Mittelgebirgen sind nach Angaben von Dalbeck (schriftl. Mitt.) Eiche, Buche, zum Teil Hainbuche, Birke und Hasel, weniger Esche und Schwarzerle. Gemieden werden Nadelhölzer.
- Dämme werden vor allem dann gebaut, wenn die Tiefe bzw. Ausdehnung vorhandener Wasserflächen nicht zur Anlage von Bauen und zur sicheren Nahrungsbeschaffung sowie zur Einlagerung von Wintervorräten ausreicht (MLUL 2010).
- Der tatsächliche Raumbedarf ist abhängig von der jeweiligen Lebensraumqualität, insbesondere von der Ausstattung des Gebietes mit Winteräsung (geeignete Laubbäume, Gebüsche). In der Regel benötigen Ansiedlungen des Bibers 1-5 km Uferstrecke (DOLCH & HEIDECKE 2004).
- Revierbesitzende Tiere bewegen sich normalerweise innerhalb der Grenzen ihres Territoriums von etwa 1-5 km (NEUBERT & WACHLIN o.J.). Bis zu 100 m Entfernung zum Ufer werden zur Nahrungssuche genutzt, meist bewegen sich die Tiere aber nur in einem Saum bis 50 m Entfernung vom Ufer (BfN-Internethandbuch).
- Die Jungtiere verbleiben meist bis zum Alter von zwei Jahren, bis zu ihrer eigenen Geschlechtsreife, im elterlichen Revier (DOLCH & HEIDECKE 2004),. z.T. auch deutlich länger. Zur Erschließung neuer Reviere wandern die in der Regel schon verpaarten Jungbiber im Mittel 25 km (in Ausnahmefällen bis über 100 km, HEIDECKE 1984) entlang von Gewässern, bis sie ein ihnen zusagendes freies Revier mit entsprechendem Nahrungsangebot gefunden haben.
- Informationen zur Verbreitung des Bibers in NRW siehe u.a.: https://www.bund-nrw.de/themen/biber/verbreitung-in-nrw/.
- Weitere Informationen zum Biber (Biberprojekt „Der Biber kommt“) siehe z. B. Biologische Station Düren: https://www.biostation-dueren.de/36-0-Biber-ad-Rur.html (Abruf 08.11.2019).
- Weitere Biberprojekte in NRW siehe unter: https://eifelbiber.com/startseite.html (Abruf: 08.11.2019).