Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus (Leach, 1825))
Art und Abgrenzung der Fortpflanzungs- und Ruhestätte (FoRu)
„Enge Abgrenzung“
Fortpflanzungsstätte: Wochenstuben in Spaltenquartieren an und in Gebäuden, wie Fassadenverkleidungen, Fensterläden oder Mauerhohlräume, regelmäßig auch Baumhöhlen und Fledermauskästen, ggf. verteilt auf mehrere Quartiere im räumlichen Verbund.
Ruhestätte: Winterquartiere, Gebäudequartiere, in sehr engen Spalten in oder an Gebäuden (bedingt frostfrei), in Dämmmaterial. Nachweise auch in Baumquartieren, in Baumhöhlen und hinter Baumrinde. Ruhestätte ist der Hangplatz (ggf. das Quartiergebäude) zuzüglich einer ungestörten (Schwarm-) Zone. An Winterquartieren mit einem hohen Winterbesatz sind auch während der Balzzeit von Juli bis September zum Teil starke Flugaktivitäten vor den Eingängen zu beobachten (Balzquartiere) (u.a. MESCHEDE (2004) in MESCHEDE & RUDOLPH 2004:278).
Lokalpopulation
- Einzelvorkommen (Kolonie), ggf. verteilt auf mehrere Quartiere (s.u.)
Habitatanforderungen
- Als Wochenstube werden in der Regel Außenverkleidungen von Häusern, Hohlwände, Zwischendächer, Fensterläden, Mauerhohlräume und Flachdachverkleidungen aufgesucht. Die Tiere sind aber auch in Baumhöhlen, Fledermauskästen und Jagdkanzeln zu finden.
- Bevorzugte Aufenthaltsorte sind Spaltenquartiere an Bauwerken, die sich in Wäldern befinden (Forsthaus, Jagdkanzeln) (KÖNIG in KÖNIG & WISSING 2007: 104).
- Die Quartiere werden häufig gewechselt. Wochenstuben-Gemeinschaften nutzen in der Regel einen Verbund von Quartieren in denen die Gruppen mit wechselnder Zusammensetzung übertagen (TEUBNER & DOLCH 2008:145).
- Paarungsquartiere an exponierten Baumhöhlen und Gebäuden sowie an Fledermauskästen (DIETZ et al. 2007: 292, DIETZ & KIEFER 2014: 332).
- Im Winter dienen Spalten und Zwischenräume in Gebäuden, Spalten hinter abgeplatzter Rinde sowie Fledermauskästen als Quartier (DIETZ et al. 2007: 292, DIETZ & KIEFER 2014: 332). Gelegentlich können auch Wochenstubenquartiere als Winterquartier genutzt werden (Ganzjahresquartier) (REITER & ZAHN 2006: 83).
- Strukturreiche Landschaften mit einem hohen Wald- und Gewässeranteil stellen den Sommerlebensraum dar. Die Art bevorzugt Auwälder (Hartholz-und Weichholzaue) und Wälder in Niederungen und Gewässer jeder Größenordnung (DIETZ et al. 2016:298, VIERHAUS 2020). Als Jagdgebiete werden Gewässerufer bevorzugt (RACHWALD et al. 2016), ansonsten: Auenwälder, stufenreiche Uferrandstreifen, baum- und strauchreiches Offenland, Laubwälder, Nadelmischwald oder lichter Kiefernmischwald in Gewässernähe; in deren Umfeld auch Flächen um Straßenlaternen.
- Die Art jagt eher kleinräumig in eng begrenzten Vegetationslücken im Wald, unter überhängenden Ästen an Gewässern oder über Kleingewässern, aber auch frei über großen Seen. Einzelbüsche und Bäume werden intensiv abgeflogen (DIETZ et al. 2007: 292, DIETZ & KIEFER 2014: 332), die Art fängt ihre Beute im Flug. Als Nahrung dienen Zwei-, Haut- und Netzflügler; insbesondere werden die Insekten in Feuchtlebensräumen wie Zuckmücken und Eintagsfliegen erbeutet (DIETZ et al. 2007: 293, DIETZ & KIEFER 2014: 332).
- Die strukturgebundene Art orientiert sich stark an Bäumen, Sträuchern, an Uferbereichen, kleinen Lichtungen oder an Waldschneisen (SCOTT et al. 2010:374).
- Distanz zwischen Quartier und Jagdhabitat im Durchschnitt 1,7 km bis zu 3 km (DIETZ et al. 2007: 293, DIETZ & KIEFER 2014: 333, DAVIDSON-WATTS & JONES 2006:60); am Bodensee wurden Entfernungen bis 10 km nachgewiesen (DIETZ & KIEFER 2014: 333).
- Teiljagdgebiete kleiner als bei der Zwergfledermaus, das gesamte Jagdgebiet fällt jedoch größer aus (DIETZ et al. 2007: 293).
- Vereinzelte Nachweise für Wanderungen, teils auch über hohe Entfernungen, liegen vor (nachgewiesene Entfernungen von 178 km und 775 km bei OHLENDORF in DIETZ et al. 2007: 293; Distanz von 1.280 km nach DIETZ & KIEFER 2014). Manche Tiere scheinen auch standorttreu zu sein (DIETZ et al. 2007: 293, DIETZ & KIEFER 2014: 333).