Asiatische Keiljungfer  (Stylurus flavipes (Charp.,1825))

(Syn.: Gomphus flafipes, Gomphus flavipes, Gomphus flaripes, Stylurus flavipes, Gomphus flafipes, Gomphus flavipes, Gomphus flaripes, Stylurus flavipes)

Art und Abgrenzung der Fortpflanzungs- und Ruhestätte (FoRu)

„Weite Abgrenzung“

Fortpflanzungsstätte: Die Fortpflanzungsstätte ist der von der Art am Entwicklungsgewässer besiedelte Habitatkomplex, der langsam strömende Gewässerabschnitt mit Gewässerrändern, in deren feinkörnigem Substrat und Schlammauflagen die Eier anhaften, sich entwickeln und in denen sich die Larven eingegraben und innerhalb von 2-3 Jahre entwickeln. Weiterhin die Kraut- und Gehölzvegetation am Uferrand, an denen die Larven vor dem Schlüpfen emporklettern sowie die sonnenexponierten Sitzwarten der Männchen in der Uferzone des Fließgewässerabschnitts. Aufgrund der mehrjährigen Entwicklungszeit der Larven im Gewässer können auch in der Untersuchungssaison nicht beflogene Gewässer/ -abschnitte aktuelle Fortpflanzungsstätten sein.

Ruhestätte: Die Ruhestätte ist in der Fortpflanzungsstätte inbegriffen. Schlafplätze befinden sich in den Vegetationsstrukturen in Gewässernähe. Zu Reifehabitaten der Art (in denen die Imago nach dem Schlupf bis zur Rückkehr ans Gewässer aushärtet) gibt es wenige Beobachtungen (STERNBERG & BUCHWALD 2000).

Lokalpopulation

  • Reproduktionsgemeinschaft eines besiedelten Fließgewässerabschnitts bzw. klar voneinander trennbare Vorkommen, zwischen denen jeweils mindestens ein bis drei Kilometer Abstand besteht. Bei kontinuierlich besiedelten Fließgewässern können Lücken in der Verbreitung bestehen, die eine Unterteilung in mehrere lokale Populationen rechtfertigen (BfN 2019).

Habitatanforderungen

  • Die Asiatische Keiljungfer besiedelt typischerweise unbelastete, natürlich mäandrierende Ströme / Flüsse (Epi- bis Hypopotamal) mit feinem detritushaltigem Substrat bzw. einem sandig-schlammigem Grund. Technisch ausgebaute Fließgewässer (Kanäle) werden als Ersatzbiotop angenommen, sofern sie Bereiche im Strömungsschatten, z.B. Buhnenfelder, aufweisen (STERNBERG & BUCHWALD 2000).
  • In größeren Fließgewässern besetzt die Art vorzugsweise strömungsarme Buchten oder Gleithangzonen mit ausgedehnten, strandähnlichen Uferbereichen, Bäche sind als Lebensraum tendenziell ungeeignet (NLWKN 2011).
  • Larvalhabitat: Die Larven von G. flavipes siedeln vorwiegend im Feinsediment von flachen Buchten / Zwischenbuchtenabschnitten und Gleithangzonen, im Strömungsschatten von Inseln und entwurzelten / im Strom festgesetzten Bäumen, oft in geringer Tiefe.
  • Auch ein kleinräumiges Vorkommen geeigneter Substrate (bspw. zwischen Steinen und Blockschüttungen) kann den Larven zur Besiedlung ausreichen (STERNBERG & BUCHWALD 2000).
  • Nach einer Entwicklungsphase von 2-3 Jahren schlüpfen die Imagines ab Anfang Juli in direkter Nachbarschaft zu den Larvalhabitaten, oft nur wenige Zentimeter von der Wasserlinie entfernt (STERNBERG & BUCHWALD 2000). An das Schlüpfsubstrat stellt die Art dabei keine besonderen Ansprüche. Vegetationsstrukturen am Ufer (Gräser, Ufergehölze) werden ebenso genutzt wie Sand oder Steine, submerse Vegetation wird nicht beansprucht, wahrscheinlich sogar gemieden (WINTERHOLLER & LEINSINGER 1999, STÜBING & HILL 2009, STERNBERG & BUCHWALD 2000).
  • Charakteristisch für die Asiatische Keiljungfer ist der horizontale Schlupf in verhältnismäßig kurzer Zeit (vom Schlüpfvorgang bis zum Jungfernflug vergehen unter Umständen weniger als 15 Minuten), vermutlich eine Anpassung an den regelmäßigen Wellenschlag im Uferbereich bzw. hohe Prädation durch Vögel. Exuvien finden sich in einer Höhe von 5 - 70 cm (STÜBING & HILL 2009:2).
  • Imaginalhabitat: Nach dem Schlupf suchen die Tiere zumeist blüten- und damit insektenreiche Lebensräume auf wie z.B. nur ein- oder zweimal gemähte Wiesen, Brachen, Uferröhrichte, Waldränder und -lichtungen. Hier machen sie Jagd auf andere Insekten, um die notwendige Energie für die Fortpflanzung aufzunehmen. Entsprechend blütenreiche Lebensräume sind daher in der Umgebung der Fortpflanzungsgewässer wichtig (BfN 2019).
  • Nach einer Reifezeit von ca. 2 Wochen kehren die Imagines zur Fortpflanzung an das Fließgewässer zurück. Paarung beginnt im Flug und endet sitzend, Eiablage erfolgt während des Fluges in strömungsärmere Buchten im Flachwasserbereich, zuweilen auch in der Strommitte, die Eier sinken ab und bleiben mit ihrer klebrigen Gallerthülle am Sediment haften (STERNBERG & BUCHWALD 2000).
  • Lt. BEUTLER (1985) ruhen die adulten Libellen gerne in kleinklimatisch begünstigten Offenlandbereichen wie ungemähten, windgeschützten Wiesen im weiteren Umfeld des Gewässers (zitiert in STERNBERG & BUCHWALD 2000) sowie an Waldwegen und sonnenexponierten, sandigen Ufern (AGUESSE 1968 zitiert in STERNBERG & BUCHWALD 2000). Besondere Ansprüche an die Gewässer- / Ufervegetation sind nicht bekannt („wohl meist un- oder nur gering beschattet“) (STERNBERG & BUCHWALD 2000: 290).

  • Ausbreitungsflüge während der Reifezeit, sonst „eher standorttreu; dennoch relativ schnelle Wiederbesiedlung geeigneter Gewässer“ (NLWKN 2011).
  • Ausbreitung mäßig und entlang der Flusstäler, aber auch terrestrischer Leitlinien bis in eine Entfernung von z.T. > 25 km (NLWKN 2011; Niederlande: bis zu 35 km in CROMBAGHS & HARBRAKEN 2002; Brandenburg: bis zu 50 km Entfernung, MAUERSBERGER, mdl., beide zit. im BfN-Internethandbuch). Für G. flavipes bestehen in NRW stabile Populationen am Niederrhein (LINKE & FARTMANN 2009:168).