Knoblauchkröte (Pelobates fuscus (Laur.,1768))
(Syn.: Landunke, Wasserkröte, Brauner Krötenfrosch, Braune Protze)
(Syn.: Bufo fuscus, Rana fusca, Bombinator fuscus, Bombina marmorata, Cultripes minor)
Art und Abgrenzung der Fortpflanzungs- und Ruhestätte (FoRu)
„Weite Abgrenzung“
Fortpflanzungsstätte: Da die meisten Beobachtungen der Art in unmittelbarer Gewässernähe stattfinden (bis max. 300 m Entfernung; vgl. CHMELA & KRONSHAGE 2011) werden die Laichgewässer sowie das unmittelbare Umfeld als Fortpflanzungsstätte abgegrenzt.
Ruhestätte: Die Ruhestätten während der Fortpflanzungszeit liegen in ummittelbarer Umgebung zu den Laichgewässern (vgl. SCHULTE & NÖLLERT 2015), wobei sich die Art i.d.R. aktiv in den Boden eingräbt, aber auch Unterschlüpfe wie Steinhaufen etc. nutzt. Potenzielle Ruhestätten im Winter finden sich vermutlich in direkter Nähe zu den Gewässern (KLEWEN 1988), wo sie sich bis 60 cm tief in den Boden eingraben (DICK 2007) wobei die Datenlage aus NRW lt. CHMELA & KRONSHAGE (2011) spärlich ist.
Lokalpopulation
- die Lokale Population (Reproduktionsgemeinschaft) am / im Laichgewässer, ggf. einschl. benachbarter Vorkommen bis < 1000 m Entfernung.
- Diese Art entfernt sich lt. LOSKE & RINSCHE (1985) i.d.R. nicht weiter als 30 - 50 m vom Laichgewässer. Anwandernde Tiere wurden in einer Entfernung von 200 m erfasst (WEDDELING 2008 in CMELA & KRONS-HAGE 2011).
- Der Median aller in CHMELA & KRONSHAGE (2011) festgestellten Werte beträgt 125 m. Als Bezugsgröße für eine hervorragende Vernetzung geben PAN & ILÖK (2010) eine Entfernung von < 1000 m zur nächsten Population an.
Habitatanforderungen
- CHMELA & KRONSHAGEN (2011), ACKERMANN et al. (2016), LUBW (2013) und SCHLÜPPMANN (2007) geben folgendes Habitatschema an:
- Landlebensraum:
- Landlebensräume sind offene, steppenartige Biotope in der Nähe von geeigneten Laichgewässern mit lockeren, grabbaren, meist sandigen Böden mit geringem Tongehalt.
- Sandige Böden werden bevorzugt, aber auch schwerere Lehm-, Löss- und Ackerböden werden z.T. akzeptiert.
- Ursprünglich war die Art wohl ein Bewohner von großen Flussauen mit Schwemmsandbereichen, von Binnen- und Küstendünen sowie weiteren offenen und wärmebegünstigten Sonderstandorten.
- Da die Primärhabitate der Art i.d.R. heutzutage fehlen, werden u.a. Gärten, städtische Ruderalflächen, sandige Ackergebiete (von schonend bewirtschafteten Äckern), Heiden und Magerrasen, extensives Weideland, Truppenübungsplätze und Abgrabungsgewässer besiedelt.
- Mehr als bei anderen Amphibienarten liegen ihre Vorkommen in der Feldflur, auch Weideflächen werden häufig besiedelt (SCHLÜPPMANN 2007).
- Verbindendes Element erscheint lt. CHMELA & KRONSHAGE (2011) das Vorhandensein gut grabbarer Substrate in räumlicher Nähe zu Laichgewässern.
- Laichgewässer:
- In NRW werden unterschiedliche Gewässer besiedelt, doch werden nach CHEMLA & KRONSHAGE (2011: 566) voll besonnte, pflanzenreiche Gewässer des Typs Kleinweiher von < 1 ha Größe bevorzugt, z.T. aber auch halbschattige Gewässer und Gräben, sowie Regenrückhaltebecken (Niehoff 2019). Entscheidend erscheint ein ausreichend großes Wasservolumen für die erfolgreiche Metamorphose. Gemieden werden Lachen mit geringem Wasservolumen, alle vollbeschatteten Gewässer, Fischteiche sowie Quell- und Fließgewässer.
- Der hohe Energiebedarf der groß werdenden Kaulquappen legt eine Bevorzugung eutropher Gewässer nahe, wobei die Art in NRW auch z.T. in mesotrophen und dystrophen Gewässern vorzufinden ist.
- Der PH-Wert liegt i.d.R. im mäßig sauren bis schwach alkalischen Bereich.
- Die meisten Laichplätze der Knoblauchkröte sind lt. SCHLÜPMANN (2007: 19) typische stehende Gewässer. Kleinweiher betreffen 57 % der Laichplätze, Tümpel und Weiher 18 % bzw. 16 %. Teiche sind nur mit 5 % vertreten, der Rest (4%) betrifft zu gleichen Teilen Gräben und Lachen.
- Tages- und Winterquartiere:
- Meist werden aktiv gegrabene Tagesverstecke genutzt, z.T. aber auch vorhandene Strukturen wie Bretter und Steinhaufen.
- Die Überwinterung erfolgt in den tiefen frostfreien Bodenschichten vermutlich zum überwiegenden Teil in unmittelbarer Gewässernähe, wobei sich die Tiere bis zu 50-60 cm tief eingraben. Winterquartiere in Steinhaufen und Kellern sind ebenso bekannt wie überwinternde Larven in Gewässern.
- Die Entfernung zwischen Landlebensraum und Gewässer beträgt i.d.R. meist < 100 m. FRITZ (2003) stellte im Einzelfall jedoch auch eine spontane Besiedlung eines angelegten Kleinteiches aus einer Entfernung von 550 m fest. Anwanderungen vom Winterquartier zum Laichhabitat erfolgen aus Entfernungen vermutlich zwischen wenigen Metern bis hin in Ausnahmefällen zu 1,5 km (CHMELA & KRONSHAGE 2011), so liegt das von NIEHOFF (2018) untersuchte Regenrückhaltebecken 1.200 Meter entfernt von der potenziellen Stammpopulation „Heideweiher Heiliges Meer“. Die Autoren betonen jedoch am Beispiel einer Population in Erftstadt, dass selbst eine Distanz zwischen 300 - 1000 Meter für eine Neubesiedlung zu groß ist.
- Entsprechend wird für die Neuanlage von Habitaten eine Entfernung von in der Regel nicht mehr als 125 m empfohlen (Median-Wert der für NRW in CHMELA & KRONSHAGE 2011 angegebenen Werte).