Schellente  (Bucephala clangula (L.))

EU-Code: A067

Art und Abgrenzung der Fortpflanzungs- und Ruhestätte (FoRu)

„Weite Abgrenzung“

Fortpflanzungsstätte:

Ruhestätte: Bei den Arten handelt es sich um Zug- und Rastvögel, die während der Frühjahrs- und / oder Herbstrast in der Regel in Trupps auf geeigneten Still- und Fließgewässern rasten und / oder überwintern. Neben fakultativ und nur sporadisch genutzten Rastplätzen gibt es regelmäßig von größeren Individuengruppen genutzte traditionelle Rastplätze. Diese traditionellen Rastplätze sind jeweils als Ruhestätte abzugrenzen. Die Arten weisen in NRW folgenden Status auf (LANUV 2010): Wintervorkommen (Gänsesäger, Schellente, Zwergsäger), Rast- und Wintervorkommen, Brutvorkommen (Tafelente)

Lokalpopulation

  • Tauchenten, Gänse- und Zwergsäger (Rast/Wintervorkommen): Vorkommen in einem Schutzgebiet; Vorkommen im Kreisgebiet
  • Tafelente (Brutvorkommen): Vorkommen in einem Schutzgebiet, Einzelvorkommen

Habitatanforderungen

  • Gänsesäger Winterhabitate: Fischreiche Fließgewässer, Talsperren und Stauseen (LANUV 2010). Der Gänsesäger ernährt sich überwiegend von Fischen von lt; 10 cm Größe aus einer Wassertiefe von im Durchschnitt bis 5 m (BAUER et al. 2005 S. 143).
  • Der Gänsesäger ist vorwiegend tagaktiv und sucht nach Sonnenuntergang einen Schlafplatz auf, an welchem die Säger aber auch nachts teilweise aktiv bleiben. Auch Winterverbände balzen bei Mondlicht mitunter am Schlafplatz und können diesen im Laufe der Nacht ganz oder vorübergehend verlassen. Im Winterhalbjahr sind die kurzen Jagd- und langen Ruheperioden auffällig (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1992 S. 474). Die Nahrungsgewässer können von den Schlafplätzen teilweise mehrere Kilometer entfern liegen (z.B. Schlafplatz Griethausener Altrhein im VSG Unterer Niederrhein, SUDMANN 2010).
  • Bei einer Untersuchung auf dem Ruhrstau Hengsteysee (BELLEBAUM 1999) war der Anteil nahrungssuchender Vögel am frühen Morgen am höchsten, sank vormittags ab und stieg nachmittags erneut an. Nahrungssuche fand in Bereichen mit starker Strömung statt, regelmäßig genutzte Ruheplätze lagen in flacheren Bereichen. Die Wahl der Ruhe- und Schlafplätze wurde vom Wetter beeinflusst. Das wichtigste Nahrungshabitat am Wehr war starker Erholungsnutzung ausgesetzt und wurde bei steigenden Besucherzahlen gemieden. Wenn ein Verlassen nicht möglich war, änderten die Gänsesäger ihr Verhalten und ruhten seltener..
  • Schellente Winterhabitate: Größere Fließgewässer, Seen, Abgrabungsgewässer und Talsperren mit ausreichendem Nahrungsangebot (LANUV 2010). Die Schellente ernährt sich überwiegend tierisch von Wasserinsekten, Kleinkrebsen und Muscheln, im Winter kann der Anteil an pflanzlicher Nahrung (v. a. Sämereien) zunehmen. Tauchtiefe im Durchschnitt bis 3 m (BAUER et al. 2005 S. 138).
  • Die Schellente ist vorwiegend tagaktiv. Im Winter wird aber morgens und abends manchmal im fahlen Dämmerlicht nach Nahrung getaucht; selbst bei weitgehender Trennung der Schlaf- und Nahrungsplätze (DIERSCHKE 1987, Ostseeküste) beginnt und endet die Nahrungssuche gewöhnlich am Schlafplatz. Aktivitäts- und Ruhephasen wechseln im Laufe des Tages ziemlich regellos und sind im Binnenland mitunter weitgehend von Störungen abhängig. Entsprechend schwankten beispielsweise am Untersee-Ende (Bodensee) und dem anschließenden Hochrhein-Abschnitt auch Beginn, Dauer und Ende der winterlichen Schlafplatzflüge stark und regellos. Erste, oft durch Störungen ausgelöste Flüge können schon am frühen Nachmittag erfolgen, stärker setzen sie erst kurz vor oder nach Sonnenuntergang ein und bei hartem Winterwetter beginnen sie erst nach Einbruch der Dämmerung und enden bei voller Dunkelheit (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1992 S. 338).
  • Tafelente Rast- und Winterhabitate: Abgrabungsgewässer, Seen, Talsperren, Staustufen und strömungsarme Buchten von Fließgewässern (MILDENBERGER 1982, LANUV 2010). Die Tafelente ernährt sich je nach Angebot pflanzlich und tierisch bei starker regionaler und saisonaler Variation. Im Winterhalbjahr sind Wandermuscheln von Bedeutung, im Sommer an Fischteichen neben Larven von Wasserinsekten auch Getreide (Karpfenfutter). Tauchtiefe meist 1 bis 2,5 m (BAUER et al. 2005 S. 112).
  • Die Tafelente ist tag- und nachtaktiv, im Vergleich zu den anderen Arten und insbesondere im Winterhalbjahr stärker dämmerungs- und nachtaktiv. Bei nahrungsreichen, aber tagsüber gestörten Gewässern, kann die Tafelente eine räumliche Trennung von nächtlich aufgesuchten Nahrungsgewässern und tagsüber aufgesuchten Ruhegewässern zeigen (STRUWE 1993: Eckernförder Bucht). – Bei Beobachtungen am Aarestau (Schweiz) wurde in hellen Nächten kaum eine Ruhepause eingeschaltet. Gewöhnlich fällt die Hauptfressaktivität in die erste Nachthälfte. Unabhängig von Wetter und Nachthelligkeit beginnen bei weit fortgeschrittener Dämmerung innerhalb von 20 Minuten 60–100% der Tafelenten zu fressen. Diese Aktivitätsphase dauert etwa 6 bis 7 Stunden, bis die Vögel zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens wieder einschlafen. Eine zweite, in dunklen Nächten höchstens 2 Stunden dauernde Aktivitätsphase fällt in die frühen Morgenstunden und bricht mit beginnender Dämmerung, im Frühjahr dagegen erst im Laufe des Vormittags ab. Die Tagesaktivität (mit Gipfel in den späten Vormittags- oder frühen Nachmittagsstunden) ist nach mondhellen Nächten nur etwa halb so groß wie nach dunklen. Mit der Abwanderung der Winterscharen im Frühjahr ändert sich auch die Tagesaktivität. Je weniger Vögel sich auf dem See aufhalten, um so mehr zeigen die weit auseinanderliegenden Gruppen ihren eigenen Tagesrhythmus (GLUTZ VON BLOTZHEIM & BAUER 1992 S. 63).
  • Zwergsäger Winterhabitate: Fließ- und Abgrabungsgewässer, Seen, Talsperren, und Staustufen mit ausreichendem Angebot an kleinen Fischen (LANUV 2010). Der Zwergsäger ernährt sich überwiegend von Fischen mit 5-6 cm Größe (BAUER et al. 2005 S. 140).
  • Zwergsäger sind tagaktiv. Regional treten tägliche Schlafplatzflüge auf. An kurzen Tagen findet Nahrungstauchen auch vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang statt (BAUER et al. 2005 S. 140).

  • Nahrungs- und Ruhegewässer können lokal bei Stillgewässern identisch oder räumlich getrennt sein (z. B. störungs- oder wetterabhängig).
  • Die Arten können miteinander vergesellschaftet auftreten. Die Tafelente ist im Verhältnis zu den anderen Arten stärker nachtaktiv und weist eine geringere räumliche Trennung von Nahrungs- und Ruhegewässern auf. Bei nahrungsreichen, aber tagsüber gestörten Gewässern kann jedoch auch die Tafelente eine räumliche Trennung von nächtlich aufgesuchten Nahrungsgewässern und tagsüber aufgesuchten Ruhegewässern zeigen (STRUWE 1993: Eckernförder Bucht).